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Als ich 1980 an der Ballettschule Ismael Guiser in São Paulo bei Marize Matias Modern Dance studierte, trat ich in einer Choreographie zur Musik von Jean-Luc Ponty als Solistin auf. Der schweizerische Jazzgitarrist Teddy Bärlocher, mein damaliger Freund, kam zu einer der Proben und gab mir, begeistert von meiner Performance, den Rat, mich zu professionalisieren.
Nach sechs Jahren Tätigkeit als Verwaltungskraft in mehreren großen Unternehmen (Verlagshaus Editora Abril, Bankhaus Unibanco, Werbeagentur MPM Casablanca) und wenige Monate, nachdem ich die Ausbildung in Propaganda und Marketing am Colégio Liceu Coração de Jesus aufgegeben hatte, fasste ich endlich Mut und beschloss, mich vollständig dem Tanz zu widmen.

Neben der Ausbildung in Modern und Jazz Dance lernte ich auch klassisches Ballett, afrikanischen Tanz und Capoeira. Nach einem ersten Aufenthalt in Salvador da Bahia, wo ich auf Einladung des Tänzers Jorge Watuzi, den ich in São Paulo kennengelernt hatte, den Karneval miterlebte, fand ich zu meiner Identität als afrobrasilianische Tänzerin. Salvador da Bahia war eine unglaubliche Inspiration für mich. Ich war 21 Jahre alt und gründete das weibliche Afrotanz-Ensemble «Grupo Afro Mulher», zu dem meine drei Schwestern und eine Freundin gehörten. Dies war das dritte Ensemble, das ich als Choreographin leitete.
Zwei Jahre lang trat ich als Schauspielerin und Tänzerin in einem Theaterprojekt unter der Leitung von Maria José Tavares auf, das nicht nur für meine persönliche Entwicklung, sondern insbesondere für die Stärkung meiner Identität als schwarze Frau entscheidend war.
Schon als Kind liebte ich Musik und Tanz und wollte Künstlerin werden. Doch erst 1980, nachdem mich, wie schon erwähnt, Teddy dazu ermutigt hatte, entschied ich mich, «mit beiden Beinen zu tanzen». Im gleichen Jahr begann ich, am Conservatório Santa Rosa in São Paulo zu unterrichten. Meine damalige Arbeit war stark beeinflusst durch den Tänzer und Choreographen Ismael Ivo, der zu der Zeit Afro-Jazztanz an der Academia Ruth Rachou in São Paulo unterrichtete.
Ich bereitete mich darauf vor, an die von Maurice Béjart und Germaine Acogny gegründete Tanzakademie Mudra Afrique in Dakar, Senegal, zu gehen, als mich Teddy überredete, ihn nach Boston zu begleiten, wo er am Berklee College of Music studieren wollte. Ich fand, dass es interessant sein könnte, an der Seite des Mannes, den ich liebte, den Jazz Dance im Land seiner Wurzeln kennenzulernen. Also verließ ich Brasilien zum ersten Mal im März 1981.

Gleich nach meiner Ankunft in den Vereinigten Staaten durfte ich mein Land auf dem Lowell Summer Festival in Lowell, Massachussetts, vertreten. Ich trat mit einer Solo-Performance auf, begleitet von Teddy. Zum ersten Mal in meinem Leben bekam ich Standing Ovations.
Ich war mit der Absicht nach Nordamerika gekommen, den originären Jazz Dance zu lernen und mein Englisch aufzuverbessern, doch schon in unserer dritten Woche in Cambridge wurde ich gebeten, einen Workshop in afrobrasilianischem Tanz im Joy of Movement Center anzuleiten. Ich gab dann mehrere weitere Workshops, auch in Boston, und trat zu diversen Gelegenheiten auf. Ich lernte die afroamerikanische Tänzerin Marianne Harklless kennen, eine Künstlerin, mit der ich in den nachfolgenden drei Jahren sehr gern zusammengearbeitet habe.
Während dieses ersten Aufenthalts außerhalb Brasiliens wuchs meine Motivation, meine eigenen künstlerischen Wurzeln zu erforschen und auch die Kunst anderer Völker und Kulturen kennen- und schätzen zu lernen. Ich reiste zusammen mit Teddy nach Europa (Schweiz, Italien und Frankreich), wo ich verschiedentlich auftrat und Kurse und Workshops gab. 1982 durfte ich am Institut Git le Coeur in Paris unterrichten, wo ich ein Jahr lang blieb und häufig auftrat, unter anderem im Café Concert New Morning und beim Fernsehsender Antenne 2.

1983 heirateten Teddy und ich und zogen in die Schweiz nach Bern. Gemeinsam gründeten wir das Ensemble Grupo Bandança Afro Brazilian Jazz Dance and Music Company. Es bestand aus Tänzern und Musikern aus Boston, Paris, São Paulo und Bern. Gleichzeitig mit unserer ersten Kompanie wurde auch unsere Tochter Naïma geboren. Zwischen 1984 und 1986 gab es verschiedene Versionen der Grupo Bandança und unzählige Auftritte in Schweden, Finnland, Frankreich und der Schweiz. In dieser Zeit trat ich in Frankreich außerdem im Projekt des Sängers, Komponisten und Perkussionisten Sérgio Otanazetra auf.
Interferências war dann meine erste große Solochoreographie, die Tanz, Theater und Musik miteinander verband und zwischen 1987 a 1990 in verschiedenen Versionen zur Aufführung kam, begleitet von Tibau Lucas, Sergio Otanazetra, Teddy Bärlocher, Jürg Lehmann, Carioca und Fábio Freire. Das Werk wurde von der Kritik sehr gut aufgenommen und meine Arbeit von da an als zeitgenössische afrobrasilianische Kunst anerkannt und respektiert.
1987 wurde ich zur Teilnahme an einem Kurs in traditionellem afrikanischen Tanz in die Elfenbeinkünste eingeladen und betrat zum ersten Mal afrikanischen Boden. Durch diese Reise bekam das afrikanische Erbe, das in meiner Arbeit auch zuvor schon sehr präsent gewesen war, für mein Schaffen eine noch größere Bedeutung.
Im gleichen Zeitraum hatte ich das Glück, in Basel bei Othella Dallas Unterricht nehmen zu können, einer der letzten lebenden Diven der ersten Kompanie von Katharine Dunhum (nordamerikanische Tänzerin und Choreographin, die in den 30er Jahren den zeitgenössischen afroamerikanischen Tanz revolutionierte). 1989 arbeitete ich in Genf mit dem Tänzer und Perkussionisten Paco Yé zusammen, einem Solisten aus Burkina Faso, der mich sehr inspiriert und in meiner Karriere gefördert hat. Paco Yé stellte mich der Agentur Artways vor, mit der ich dann zusammenarbeitete.
1990 lernte ich auf einer meiner Reisen nach New York, wo ich mich am Alvin Ailey American Dance Theater weiterbildete, den japanischen Producer Shozo Tsurumoto kennen, der Interferências für eine gemeinsame Tournee mit Grupo Farafina nach Japan holte. Neben meiner Solo-Performance trat ich 1990 auch im zeitgenössischen Tanzprojekt Earth Dancers der schweizerischen Choreographin Susanne Daeppen auf.

Nachdem ich mich 1991 von Teddy getrennt hatte, ging ich für eine zweijährige kreative Pause nach Brasilien, um 1993 mit der neuen Solo-Performance Transições in die Schweiz zurückzukehren. Im gleichen Jahr nahm ich meine zwölfjährige Lehrtätigkeit an der Universität Bern auf. Ich entwickelte in dieser Zeit auch ein Tanztherapie-Projekt für Jugendliche, das ich insgesamt sieben Jahre lang in verschiedenen Heimen durchführte, u.a. im Heimgarten in Bern. Noch 1993 beschloss ich, der Musik in meiner Karriere einen größeren Raum zu geben. Ich begann als backing vocal in der Band Atcha Makossa und sang im Jazzchor des Konservatoriums in Biel. 1996 trat ich zum ersten Mal als lead vocal in meiner ersten Band Regina Ribeiro and Wala Band auf. In Zusammenarbeit mit brasilianischen, kubanischen, afrikanischen, afroamerikanischen und schweizerischen Musikern und Tänzern machten wir in den nächsten vier Jahren mehrere Tourneen.

Im Jahr 2000 begann ich ein neues musikalisches Projekt unter der Leitung des in Paris ansässigen brasilianischen Saxophonisten und Komponisten Glaucus Linx (dem früheren musikalischen Leiter von Elza Soares und Salif Keita). In diesem Projekt trat ich zum ersten Mal mit einigen Eigenkompositionen auf, die ich zusammen mit den Musikern Jon Otis, Noël Ekwabi (musikalischer Leiter von Manu Dibango) und Glaucus Linx entwickelte.
Von 2001 bis 2005 widmete ich mich dem International Dance Center, einer Tanzschule, die ich in Bern gegründet hatte. Seit 27 Jahren gab ich nun Kurse und Workshops u.a. in Brasilien, den USA, Italien, Norwegen und Österreich, so dass es sehr wichtig für mich war, meine Energie, die Entwicklung meiner kreativen Arbeit und die Analyse meiner Unterrichtsmethoden in einem eigenen Raum zusammenzuführen.

Ende 2005 begann ich, für meine erste CD eigene Songs zu schreiben und Ende 2006 begann in der Schweiz die erste Etappe meines neuen Projekts unter dem Namen Regina Ribeiro Afro Brazilian Soul. Diese Arbeit eröffnete eine neue Phase in meiner Karriere. Das Repertoire aus Eigenkompositionen kreist um das Thema Beziehungen («relacionamentos»), weshalb der Projektname schließlich um diesen Begriff erweitert wurde. Das Projekt Relacionamentos besteht aus drei Phasen:
· 2006/07: «Music Project» – Tournee mit der Band
· 2007: CD-Aufnahmen
· 2008: «Music Dance Project» – Tournee mit Band und Tänzern

 

 
   
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